Am 23. Juni bekam ich einen überraschenden Anruf der Mutter unserer Kinder. Sie zieht zum 1.9.2020 nach Würzburg zu ihrer Partnerin und fängt dort an zu arbeiten. Die Kinder gehen wohl mit, haben auch schon Schulplätze - Mein Nachfragen ob sie wissen, welche Rechte sie haben welche und Optionen es gibt (dass ich z.B. auch die Kinder aufnehmen kann), wurden erst später beantwortet mit der Antwort, "sie wollen nicht zu dir".
Der Urlaub in Warnemünde war noch einigermaßen erholsam, aber diese täglichen Gedanken, ob die Kinder ebenso wie ich vor vollendete Tatsachen gestellt wurden, ließen mich nicht zur Ruhe kommen. Ich habe nach dem Urlaub direkt einen Beratungstermin beim Jugendamt in Winsen gemacht, um meine Situation zu erklären und nachzufragen, welche Optionen es gibt.
Es folgten dann nach der Urlaubswoche ein Treffen in der Stadt mit der Art und Weise "Ich informiere dich mal, was ich grad mache. Diskutiert wird aber nicht, weil alles schon beschlossene Sache ist". Klar, das System funktioniert immer noch.
Am darauf folgenden Kinderwochenende ein paar Tage später wurde ich wieder einmal vor vollendete Tatschen gestellt: Die Kinder wurden zu mir gebracht mit dem Hintergrund, ein klärendes Gespräch führen zu wollen. Ob ich das wollte, wurde aber nicht gefragt, aber immerhin 45min vorher per Messenger angekündigt. Das System "vollendete Tatsache" funktionierte ja schliesslich auch die letzten Jahre recht erfolgreich.
Die Kinder habe ich dann mal informiert, wie die Lage ist und was für Rechte sie als Kinder in einer solchen Situation denn eigentlich haben: was "gemeinsames Sorgerecht" bedeutet, was es bedeutet eine eigene Meinung zu vertreten und wann das wichtig sein kann. Wenn man dazu gefragt werden wird, sollte man dazu auch stehen.
Beide Kinder wurden recht still und gingen danach in sich. Linus fing dann später an, seinen über 800 Teile LEGO-Trecker neu zu bauen, weil irgend etwas mit der Lenkung nicht funktionierte.
Melina fing an zu malen. Später dann zeigte sie mir das Bild, was sie gemalt hatte. Mit etwas Korrektur an den Ellenbogen habe ich es dann für super empfunden, aber schaut selbst:
Dies war und ist ein für mich sehr symbolträchtiges Bild. Es beinhaltet so viele Gedanken zur Situation, dass ich es habe abziehen lassen. Es bedeutet mir sehr viel.
Nun fingen die Probleme aber erst an - die Tochter möchte gern zu mir, weil sie mit Bayern nichts anfangen kann, ihr Freundeskreis hier oben ist und auch ihr Freund. Außerdem muss sie das Abitur machen und ein Wechsel von Bundesland (NDS) zu Bundesland (HH) verkürzt auch die Ferien. Ich hingegen wollte gern nach Möglichkeit einen nahtlosen schulischen Übergang für Melina von NDS nach HH ermöglichen. Die Sommerferien boten sich für einen Wechsel an - aber ob eine Schule überhaupt arbeitet während der Ferien?
Sie hatte dann die Aufgabe, sich Schulen mit entsprechendem Profil für Kunst und Musik herauszusuchen. Es fiel die Wahl auf die Gymnasien von Lohbrügge und Allermöhe. Das Gymnasium Lohbrügge gab eine Absage innerhalb von 4 Tagen nach der e-Mail Bewerbung. Mist - und ich hatte bisher auch noch keine Wohnung, also die Frage wie das Kind nahtlos zur Schule geht, war weiter offen.
Mitte Juli ist meine Partnerin durch die Straßen von Allermöhe gezogen, um leerstehende Wohnungen und Hauseingänge zu inspiziere. Dabei hat sie dann einige Adresse von Hausmeistern und Verwaltungen notiert.
Am 19. Juli zogen wir dann noch einmal gemeinsam durch Allermöhe auf der Suche nach leerstehenden Wohnungen. Wir hatten einiges gefunden und notiert, ich ging damit gleich am Montag mit den Infos los und rief als erstes einen Hausmeister an, der mir auch spontan zwei 3-Zimmer-Wohnungen anbieten konnte.
Am Dienstag habe ich diese dann auch gleich besichtigt und die Eine (unsere aktuelle!) Wohnung für uns beide als gut befunden. Mittwoch erfolgte dann meine Bekundung, die Wohnung anzumieten und der bürokratische Akt folgte dann mittels Bewerbung beim Vermieter. Demnach war innerhalb von wenigen Tagen Schulplatz und Wohnung gefunden!
Es war nun der 22. Juli - Für Melina stand der neue Schulstart in Hamburg am 6. August kurz bevor, meine alte Wohnung war zum 31.7.20 gekündigt und ein Nachmieter war nicht in Sicht. Also rechnete ich schon mal doppelte Miete für 3 Monate ein.
Zwei Wochen vor dem Schulstart habe ich mit Melina dann ihren Teppich ausgesucht und im Zimmer verlegt. Dann war ich mit Melina und ihrer Freundin los um Wandfarbe zu kaufen. Die Mädels haben das Zimmer dann am Wochenende in den finalen Wunschzustand gebracht.
Wir hatten am vor dem Schulstart liegendem Wochenende schon einmal das Wichtigste in die Wohnung geschafft, damit Melina zumindest in den ersten Tagen alles vor Ort hatte: Kühlbox, Schlafwürfel, Besteck, Klappstühle, Campingtisch usw... ist ja alles vorhanden und konnte diesmal nicht nur zu einem Festivalevent sinnvoll genutzt werden.
Dann kam der Tag der "Einschulung" am 6. August - ich habe mit ihr vor Ort geschlafen und brachte sie Morgens zur Schule. Sie war ganz schön aufgeregt! Ich habe dann im zweiten HomeOffice vor Ort bei meiner Partnerin gearbeitet. Dort habe ich dann Melina auch in der Mittagspause versorgt. Abends bin ich dann nach Bramfeld zurückgefahren und habe dort meine Wohnung ausgemistet, aufgeräumt, weggeschmissen, viele Sachen verkauft.
(2021-06-13: wird wieder fortgesetzt, wenn Zeit dafür ist)